April 2026
Nach den Protesten im Januar 2026 und den jüngsten Entwicklungen im Iran hat sich die Situation von Jugendlichen und insbesondere auch von Frauen erheblich verschlechtert. Berichten zufolge sind mindestens 30 Personen – darunter mehrere Minderjährige – von der Todesstrafe bedroht. Gleichzeitig zeichnet sich eine neue Welle gezielter und besorgniserregender Verhaftungen ab.
Besonders alarmierend ist die Lage von Jugendlichen wie Matin Mohammadi und Erfan Amiri (beide 17 Jahre alt), die derzeit vor dem Revolutionsgericht angeklagt sind. Viele der Betroffenen werden unter Bedingungen festgehalten, die schwerwiegende Verstöße gegen grundlegende Menschenrechte darstellen.
Folter und erzwungene Geständnisse
Zahlreiche Berichte belegen, dass Jugendliche in Haft systematisch gefoltert werden, um sie zu falschen Geständnissen zu zwingen. Zu den dokumentierten Methoden zählen Elektroschocks, schwere körperliche Misshandlungen, simuliertes Ertränken sowie das Ersticken mit feuchten Tüchern. Diese Praktiken sind keine Einzelfälle, sondern Teil eines landesweiten Musters systematischer Repression.
Beispiele gefährdeter Jugendlicher und junger Erwachsener:
- Ehsan Hosseinpour Hessarlou (18), Ringer, wurde schwer gefoltert und ist von der Todesstrafe bedroht
- Saleh Mohammadi (18), wurde in Qom zum Tode verurteilt
- Amirhossein Ghaderzadeh (19), ist von der Hinrichtung bedroht; Berichte weisen auf Gewaltanwendung und erniedrigende Behandlung hin
Zu den weiteren bereits zum Tode Verurteilten zählen unter anderem Saleh Mohammadi, Mohammad Amin Biglari, Ali Fahim, Abolfazl Salehi Siavoshani, Amirhossein Hatami, Shahin Vahedparast Kolur, Shahab Zahedi und Yaser Rajaeifar.
Die stille Welle der Verhaftungen: Wenn Jugendliche und Frauen verschwinden
Parallel dazu breitet sich eine systematische Welle willkürlicher Verhaftungen aus, die gezielt Frauen und Jugendliche ins Visier nimmt.
Ein besonders besorgniserregender Fall betrifft ein 16-jähriges Mädchen, das seit über 40 Tagen festgehalten wird, ohne dass ihre Familie Informationen über ihren Aufenthaltsort oder ihren Zustand erhält.
Weitere dokumentierte Fälle:
- Bahareh Golchin (17), in Maschhad festgenommen – Aufenthaltsort unbekannt
- Diana Taherabadi (16), in einem Jugendhaftzentrum inhaftiert
- Mahbubeh Shaabani, wegen des Vorwurfs der „Feindschaft gegen Gott“ (Moharebeh) von der Todesstrafe bedroht
- Farideh Ketabi, auf Versorgung mit Insolin angewiesen, offenbar zur Druckausübung auf Angehörige festgenommen
Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere Personen, darunter Studierende, Aktivistinnen und Familienangehörige, festgenommen. In mehreren Fällen liegen Berichte über schwere körperliche Gewalt vor.

Ein klares Muster systematischer Repression
Die vorliegenden Informationen zeigen, dass es sich nicht um vereinzelte Maßnahmen handelt, sondern um eine gezielte Strategie. Wiederkehrende Praktiken sind:
- Willkürliche Festnahmen ohne rechtliche Grundlage
- Erzwungenes Verschwindenlassen
- Verweigerung des Zugangs zu Rechtsbeistand
- Keine Information der Familien über den Verbleib der Betroffenen
- Vage und pauschale Anschuldigungen
- Inhaftierung von Minderjährigen
- Politischer Druck auf Familien
- Folter und erzwungene Geständnisse
Diese Maßnahmen verstoßen eindeutig gegen internationale Menschenrechtsstandards sowie gegen die Verpflichtungen Irans gemäss der UN-Kinderrechtskonvention.
Internationale Reaktionen und Forderungen
Expertinnen und Experten der Vereinten Nationen sowie Amnesty International fordern:
- Den sofortigen Stopp aller Hinrichtungen
- Transparenz über den Status und Aufenthaltsort aller Inhaftierten
- Zugang zu fairen Gerichtsverfahren und rechtlicher Vertretung
Auch UNICEF betont die besondere Schutzbedürftigkeit von Minderjährigen und fordert ihre unverzügliche Freilassung sowie einen menschenwürdigen Umgang und die Gewährleistung des regelmäßigen Kontakts zu ihren Familien.
Warum ist das wichtig?
Die gezielte Repression gegen Frauen und Jugendliche – engagierte Aktivisten und Aktivistinnen bei den Bevölkerungsprotesten – deutet auf den Versuch des Regimes hin, gesellschaftliche Dynamiken zu kontrollieren und kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen.
Erfahrungen zeigen jedoch, dass Repression grundlegende Probleme nicht löst, sondern langfristig verschärft.
Aufruf zum Handeln
Wir fordern die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten und setzen uns weiterhin dafür ein, ihre Stimmen in die internationale Öffentlichkeit zu tragen.
Durch kontinuierliche Aktionen, Ausstellungen und Informationsveranstaltungen – unter anderem in verschiedenen Städten der Schweiz – machen wir auf diese Menschenrechtsverletzungen aufmerksam und bringen sie in politische sowie menschenrechtliche Diskurse ein.
Internationale Aufmerksamkeit und Solidarität sind entscheidend.
Je breiter, koordinierter und eindringlicher die öffentliche Aufmerksamkeit werden, desto größer ist die reale Chance, Hinrichtungen zu verhindern und Menschenleben zu retten.
Diese Menschen dürfen nicht vergessen werden.
Schließen Sie sich uns an, damit die Stimmen der iranischen Jugendlichen und Frauen lauter, stärker und unüberhörbar werden—und die Realität der Inhaftierten nicht länger im Schweigen verschwindet.
Spenden Sie –bitte