Die stille Welle der Verhaftungen im Iran: Wenn Mädchen verschwinden

14April 2026

Ein 16-jähriges Mädchen wird seit über 40 Tagen festgehalten—ohne dass ihre Familie weiß, wo sie ist oder was mit ihr geschieht.
Sie ist nicht allein.

Bahareh Golchin, eine 17-jährige Jugendliche aus Maschhad, wurde am 14. Februar 2026 von Sicherheitskräften festgenommen. Auch nach über 40 Tagen gibt es keine Informationen über ihren Aufenthaltsort oder ihren Zustand, und die Sicherheits- sowie Justizbehörden verweigern der Familie jede Auskunft.

Diana Taherabadi, erst 16 Jahre alt, wird in einem Jugendhaftzentrum festgehalten.

Diese Fälle sind nur ein Teil einer weit größeren Entwicklung.

Nach vorliegenden Berichten breitet sich im Iran eine neue Welle sicherheitsbedingter Verhaftungen aus—eine Welle, die gezielt Frauen und Jugendliche ins Visier nimmt. Diese Festnahmen erfolgen in einem Umfeld, das nach den Protesten von massivem Sicherheitsdruck und weitreichenden sozialen Einschränkungen geprägt ist.

Unter den dokumentierten Fällen:

  • Mahbubeh Shaabani steht unter dem Vorwurf der „Feindschaft gegen Gott“ (Moharebeh) und ist akut von einem Todesurteil bedroht—ein Vorwurf, der laut Quellen im Zusammenhang mit der Hilfe für verletzte Demonstrierende steht.
  • Farideh Ketabi, die auf Insulin angewiesen ist, wurde festgenommen—Berichten zufolge, um Druck auf ihr im Ausland lebendes Kind auszuüben.
  • Weitere Festnahmen betreffen unter anderem Sima Chambari (Studentin der Universität Gilan), Azar Yahu, Baran Omidian (Doktorandin) gemeinsam mit Dorsa Ayazi (17 Jahre), Zeinab Azizi und ihren Ehemann, Sima Anbaii, Saba Ahmadi, Parastu Chamanara und ihren Bruder, Mandana Sotoudeh und ihren Ehemann, Mahsa Sotoudeh (25 Jahre) sowie Betul Gerami (eine trauernde Mutter). In einigen Fällen liegen Berichte über schwere körperliche Gewalt vor.

Und dies sind nur Ausschnitte eines systematischen Musters.

Ein alarmierendes Muster

Die vorliegenden Hinweise zeigen deutlich: Diese Verhaftungen sind weder zufällig noch vorübergehend, sondern Teil einer systematischen Strategie zur Unterdrückung von Stimmen. Immer wieder werden folgende Praktiken dokumentiert:

  • Willkürliche Festnahmen ohne richterlichen Beschluss
  • Erzwungenes Verschwindenlassen
  • Verweigerung des Zugangs zu Rechtsbeistand
  • Keine Information der Familien über den Verbleib ihrer Angehörigen
  • Vage und pauschale Sicherheitsvorwürfe
  • Inhaftierung von Minderjährigen
  • Politischer Druck auf Familien
  • Gefahr von Folter und erzwungenen Geständnissen

Diese Maßnahmen stehen in klarem Widerspruch zu den internationalen Verpflichtungen Irans, insbesondere im Hinblick auf die Kinderrechte und das Recht auf ein faires Verfahren.

Warum ist das wichtig?

Die gezielte Fokussierung auf Frauen und Jugendliche—jene Gruppen, die eine zentrale Rolle in den jüngsten Protesten gespielt haben—zeigt den Versuch, gesellschaftliche Dynamiken zu kontrollieren und Proteste im Keim zu ersticken.

Doch die Erfahrung zeigt:

Repression kann Stimmen vorübergehend zum Schweigen bringen—aber sie beseitigt nicht die Ursachen der Unzufriedenheit. Im Gegenteil: Sie vertieft sie.

Forderung und Aufruf

Wir fordern die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten und betonen, dass wir ihre Situation weiterhin verfolgen und ihre Stimmen in die Öffentlichkeit und die internationale Gemeinschaft tragen werden.

Wir organisieren kontinuierlich und täglich Aktionen, Ausstellungen und Informationsstände in verschiedenen Städten der Schweiz, um diese Menschenrechtsverletzungen sichtbar zu machen und sie direkt an die Öffentlichkeit sowie an politische und menschenrechtliche Institutionen heranzutragen.

Ziel dieser Aktivitäten ist es, die Sichtbarkeit zu erhöhen, rechtlichen und politischen Druck aufzubauen und zu verhindern, dass die Situation der Inhaftierten in Vergessenheit gerät.

Wir rufen alle Menschen, Organisationen und Menschenrechtsverteidiger:innen dazu auf, angesichts dieser Verletzungen grundlegender Menschenrechte nicht zu schweigen.

Internationale Aufmerksamkeit und Solidarität sind entscheidend, um den Schutz dieser Menschen zu stärken und Verantwortlichkeit einzufordern.
Je lauter, breiter und koordinierter diese Stimmen werden, desto größer ist die Chance, dass diese Fälle gesehen und gehört werden.

Diese Menschen dürfen nicht vergessen werden.

Schließen Sie sich uns an, damit diese Stimmen lauter, stärker und unüberhörbar werden—und die Realität der Inhaftierten nicht länger im Schweigen verschwindet.

Spenden Sie –bitte

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